Projekt "Ton" -

vom Naturprodukt zum Endprodukt

ein Bericht von Steffi Fischer und Susanne Kinz


Ein Projekt im Kindergarten bietet den Kindern über einen längeren Zeitraum hinweg einen vielfältigen Weg mit Auseinandersetzungen zu einem bestimmten Thema. Es soll dem Kind ermöglichen mit all seinen Sinnen, seinen kognitiven und sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen ein Thema kennenzulernen und zu (be-)greifen.

 

Die Künstlerin Elke Zauner (Künstlername "Elke Punkt Fleisch") arbeitet schon jahrelang auf beeindruckende Art und Weise mit Keramik. Sie selbst ist Mutter eines Kindes in unserer Einrichtung und hat sich als Spezialistin angeboten, um mit unseren Kindern am Nachmittag mit Ton zu arbeiten.

 

Für uns ist dieses Angebot eine tolle Möglichkeit, den Kindern in Form eines Projektes eine neue Perspektive für das Material "Ton" zu eröffnen. Es ist uns ein Anliegen, dass wir den Kindern einen Einblick vom Naturprodukt selbst zu geben, sowie die weiteren Wege der Herstellung vom Rohstoff zum Material, welches wir dann im Einzelhandel kaufen können und auf verschiedenste Weise als Endprodukt verarbeitet werden kann. Im Fokus des Projektes steht der Prozess vom Naturprodukt zum Endprodukt. Mithilfe von Bildern, einem Video, Erklärungen und Spielen ist den Kindern vor Beginn der Workshops dieser Prozess veranschaulicht worden (Prinzip der Sachrichtigkeit und Bildungsbereich der Sprache und Kommunikation).

 

Das "Freie Arbeiten" mit Ton wird bei uns in der Einrichtung im Funktionsraum "Atelier" tagtäglich angeboten und ist unseren Kindern bereits bekannt.

 

Im Sinne der Bildungsbereiche "Natur und Technik" und "Ästhetik und Gestaltung" ist unser Wunsch, dass die Kinder eine neue Methode bzw. Technik des Gestaltens mit Ton kennenlernen.

 

Um dieses Projekt bedürfnisorientiert umsetzen zu können und sich das Kind in einem angenehmen Klima wiederfindet, haben wir den entsprechenden Rahmen geschaffen, indem wir nicht nur in altershomogene Gruppen eingeteilt, sondern auch darauf geachtet haben, dieses Erlebnis mit Freunden teilen zu können (Bildungsbereich Emotionen und soziale Beziehungen).

 

Die Kinder können ihrem Bedürfnis etwas zu gestalten, zu formen nachgehen und werden gleichzeitig kognitiv angeregt sich mit ihrer Vorstellungskraft auszudrücken (Prinzip der Ganzheitlichkeit und Lernen mit allen Sinnen).

 

Dies erfordert Ausdauer, Genauigkeit, eine gute Augen-Handkoordination und vor allem eine große Portion Kreativität der Kinder.

 

Im Herzstück unseres Hauses "in der Aula" wurde geknetet, geformt, gerollt und ausgestochen. Durch die angemessene Lernumgebung und die professionelle Begleitung von Frau Zauner wurde den Kindern ein bildendes und wertvolles Arbeiten mit Ton ermöglicht.

 

Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich die Werke der Kinder im Prozess des Trocknens und Brennens. Frau Zauner erklärte sich bereit diese im Brennofen ihres Künstlerateliers zu brennen.

 

Wir freuen uns schon sehr darauf, die fertigen Ergebnisse zu bestaunen und gemeinsam mit den Kindern zu reflektieren, wie sie den vorbereiteten Gestaltungsspielraum selbstständig genutzt haben (Prinzip Empowerment).

 

Fortsetzung folgt...

 

Fortsetzung des Berichts vom Tonprojekt:

 

Als der Trocknungs- und Brennprozess abgeschlossen war und wir die fertigen Arbeiten zurückerhielten, war die Aufregung schon groß, wie sich der Ton verändert hatte. Wir stellten fest, dass sich der Ton viel dunkler gefärbt hatte und richtig hart geworden war, dadurch aber auch zerbrechlich. Daher gaben alle gut acht auf die Werke.

Jedes Kind hatte am Nachmittag die Möglichkeit ein Namensschild zu gestalten. Uns war es ein Anliegen, dass jede Tonarbeit bei der Ausstellung gut zur Geltung kommt und genügend Platz für die einzelnen Werke zur Verfügung steht. Die Aula bot sich als perfekten Platz für die Vernissage an. Wir stellten große Tische bereit, um darauf die Arbeiten der Kinder zu präsentieren.  

Die gebrannten Kunstwerke der Kinder waren ein wahrer Hingucker. Die KILKIS (Kinder im letzten Kindergartenjahr) eröffneten die Ausstellung mit ihren Werken an ihrem besonderen Abend, dem Transitionsfest. Alle anderen hatten die Möglichkeit ihre Ergebnisse eine Woche darauf, also in der letzten Kindergarten Woche vor den Sommerferien, auszustellen.

Die Tonarbeiten wurden von Eltern, Geschwistern, Großeltern, PädagogInnen, den Kindern selbst und anderen Kindern betrachtet und bewundert.

Es war ein tolles und bereicherndes Projekt für alle Beteiligten. Die Kinder lernten das Material Ton auf andere Art und Weise als im Alltag kennen. Sie erhielten einen Einblick in den Prozess vom Naturprodukt zum Endprodukt und lernten verschiedene Techniken der Tonarbeit kennen, welche sie auch im Kindergartenalltag immer wieder einsetzten.